Jakobus ist wirklich überall! Pelhrimov (Tschechische Republik)

Vor ein paar Wochen waren mein Mann und ich, mit dem Auto, nicht zu Fuß, in Südböhmen unterwegs. Nein, nicht auf Jakobus‘ Spuren, sondern einfach nur so – „Gegend gucken“. Unser Ziel war Pelhrimov (schreibt sich eigentlich mit einem Häkchen über dem ‚r‘ (Pelhřimov), aber das können viele Browser nicht richtig darstellen… Zurück zum Thema, nach dem Mittagessen im Hotel Restaurant Slavie  (Pizza – sehr einfallsreich, ich weiß, aber lecker!) ging es dann zum Städtchen erkunden. Pelhrimov ist für viele Dinge bekannt:

 – Als „Hauptstadt der Rekorde“ mit seinem Museum der Rekorde und Kuriositäten.

– Für sein Butzemann oder Gespenstermuseum.

– Für seine interessante Architektur mit Gebäuden die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen.

– Und für diejenigen, die sich daran noch erinnern können, als einer der Drehorte der Fernsehserie ‚Die Besucher / Expedition Adam ’84‚  aus den Jahren 1981–1983.

Wer sich für alle diese Aspekte der Stadt interessiert, kann hier http://www.pelhrimovsko.cz/de/ mehr lesen, wer wissen will, was es hier mit Jakobus auf sich hatte, einfach auf dieser Seite bleiben und weiter lesen 😉

Als wir uns dann nach dem Mittagessen den Stadtbrunnen näher betrachteten – Hallo Jakobus!

Jakobusbrunnen am Marktplatz in Pelhrimov

Jakobusbrunnen am Marktplatz in Pelhrimov.

Während das oberer Bild einen Gesamteindruck gibt, zeigt das nächste doch besser die typischen Symbole einer ‚Jakobus der Ältere als Pilger‘ Statue.

Pilgermantel mit Muscheln verziert, die Kalebasse aus der das Wasser rieselt, Pilgerstab und, besser von hinten zu sehen, der breit-krempige Pilgerhut, wieder mit Muschel verziert. Der Brunnen, wie er heute steht, stammt aus dem Jahre 1828, aber ein Brunnen an derselben Stelle ist schon seit Mitte des 16ten Jahrhunderts (1546 erste schriftliche Erwähnung) bekannt.

Jakobsstatue Pelhrimov

Jakobus ganz nahe.

Nun macht eine Jakobusstatue ja noch keinen Jakobsweg und so freuten wir uns und erkundeten das Städtchen weiter. Kurze Zeit später fanden wir aber in einem Torweg eine zweite, diesmal eine ganz moderne! Wer in Pelhrimov ist, diese ist gegenüber des Eingangs zum Touristen Infozentrum zu finden, die am selben Platz wie der Brunnen ist.

Moderner Jakobus in Pelhrimov.

Moderner Jakobus in Pelhrimov.

Und ganz kribbelig wurde ich dann, als wir an einer Hauswand das Stadtwappen Pelhrimovs entdeckten. Da kam ein Pilger aus dem Stadttor heraus!

Das Stadtwappen von Pelhrimov mit Pilger

Das Stadtwappen von Pelhrimov mit Pilger

Das Stadtwappen von Pelhrimov mit Pilger (Nahaufname).

Das Stadtwappen von Pelhrimov mit Pilger (Nahaufname).

Wir suchten dann natürlich nach weiteren Pilgerhinweisen, aber nichts. Keine Kirche, die dem heiligen Jakobus gewidmet war und kein Anzeichen eines Jakobsweges weit und breit. Wer mich kennt weiss was dann passierte 😉

Zu Hause angekommen stürzte ich mich gleich in die Recherche und so langsam zeichnete sich ein Bild ab. Angefangen hat alles mit der

Die Legende der Stadtgründung

Pelhrimov heißt auf deutsch ‚Pilgram oder Pilgrams‘ und das kam, der Legende nach, so: Im 13ten Jahrhundert gab es in Prag einen Bischof der Pelhrim (Peregrinus) hieß. Er amtierte dort von 1224 bis 1225. Als er sich am Ende seiner Amtszeit, so ums Jahr 1225/26, auf eine Pilgerreise nach Rom begab, hielt er bei der Quelle ‚Belka‘ Rast. Diese Quelle speist übrigens den oben erwähnten Jakobsbrunnen! Ihm gefiel die Gegend so sehr, dass er hier eine Stadt gründete, die dann, natürlich, ihm zu Ehren, seinen Namen bekam. Also bedeutet der Name Pelhrimov – Stadt des oder der Pilger – Pilgerstadt!

Was mich verblüffte war, dass der namengebende Pilger nicht als Rompilger, sonder als Jakobspilger dargestellt wurde und wird. (Siehe auch http://www.caminosantiago.eu/peregrino-romero-palmero/) Als Rompilger hätten seine Symbole ja die zwei gekreuzten Schlüssel des Heiligen Petrus sein müssen und nicht die Muscheln des Jakobus … Also weiter geforscht!

Endlich wurde ich, wenigstens halbwegs, fündig. Auf dieser Webseite fand ich ein PDF-Dokument, geschrieben von Maximilian Bogner, das Pelhrimov mit dem Jakobsweg von Südpolen und dann durch Böhmen in Verbindung bringt. Es heisst „Der noch nicht errichtete Jakobsweg von Warschau bzw. Krakau über Mähren nach Krumau“ und listet Orte auf die mit Jakobus im Zusammenhang stehen und sucht nach Hinweisen auf vergessene Altwege.

Diesem Dokument zufolge ist der Pelhrimov am nächsten gelegene Ort auf einem bekannten Jakobsweg Jindřichův Hradec (Neuhaus), siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Jind%C5%99ich%C5%AFv_Hradec. Und der Jakobsweg von Brno (Brünn) nach Český Krumlov (Krummau) verläuft etwa 40 Kilometer südlich von Pelhrimov, ist aber noch nicht „offiziell anerkannt“. Informationen über diesen Weg kann man hier finden: http://www.ultreia.cz/uvod/ultreia-os/ultreia-deutsch/jakobswege-in-der-tschechischen-republik/bruenn-brno-krummau-cesky-krumlov/ und hier gibt es auch noch eine Karte der tschechischen Jakobswege: http://www.ultreia.cz/uvod/ultreia-os/ultreia-deutsch/jakobswege-in-der-tschechischen-republik/. Die dicken Linien sind anerkannte und mehr oder weniger ausgeschilderte Wege, die dünnen „Altwege“, die noch „in Bearbeitung“ sind.

Heute sind viele dieser „Altwege“ mehr oder weniger in Vergessenheit geraten und (noch nicht?) ausgeschildert. Trotzdem war der Besuch in Pelhrimov und das auffinden der drei Jakobsfiguren für mich eine Mahnung daran, dass der Jakobsweg dort ist wo Pilger liefen und laufen – unabhängig von der vorhandenen oder nicht vorhandenen Wegmarkierung oder einer Proklamation durch die EU…

2 Kommentare Jakobus ist wirklich überall! Pelhrimov (Tschechische Republik)

  1. ralph schalkau Antworten

    5. November 2013 bei 12:55

    hallo SY,

    …. und führe mich nicht in versuchung….
    nein, ist lieb gemeint.

    interessante info, wirklich.

    der weg von – ich schreib’s mal deutsch – brünn nach krumau.

    bin grad versucht, den im verbindung mit dem österreichischen weinviertel weg rückwäts von wien nach mikulov zu gehen, von da nach brünn und dann die route bis krumau.

    gewissermassen als test für meine idee von wien aus nach SDC zu laufen,
    wurde auch von dir inspiriert und ich bin wild motiviert es zu tun.

    nur bis mai / juni hin ist noch soooo lang und da kommt die idee wien – brünn – krumau als ultimativer test grad recht.
    das wären dann so 300 km, 15 tage.
    grad recht für anfang / mitte april

    ja, du hast recht, der weg ist da, wo der pilger – reisende – sucher ist.

    licht auf dem weg,
    herz lich
    ralph
    aka: the-bard

    • SYates Antworten

      6. November 2013 bei 08:53

      Hallo Raplh / the-bard,
      Warum rückwärts? Was hindert Dich nach Mikulov zu reisen und dann nach hause zu pilgern? Eine Testwanderung ist sicher eine gute Idee, um der Ausrüstung den letzten „Schliff“ zu geben 😉 Habe ich auch vor!
      Hier zwei Links zur weiteren Inspiration: http://www.deutsche-jakobswege.de/suedostbayern.html (es gibt von da aus noch Verlinkungen zu anderen Webseiten und Pilgerführern) und, als eine ganz andere Idee: http://www.pragueviennagreenways.org/gw.html Ist zwar mehr auf Radfahrer ausgerichtet, sollte aber auch für Wanderer sehr schön sein.
      Wenn Du genaueres über Deine Pläne weißt und Hilfe brauchst, Du weißt ja wo Du mich finden kannst 😉
      Ein Wort zur Warnung, die Pilgerinfrastruktur, insbesondere Herbergen!, ist hier in der Tschechischen Republik (noch) nicht so sehr vorhanden, also Geld für, sehr günstige, Pensionen einplanen! SY

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